Österreich hinkt bei ultraschnellem Internet nach, Regierung stellt 1 Milliarde als Abhilfe in Aussicht!

Großer Andrang herrschte beim CMG-AE FIBERDAY 2013, der am 24. Oktober 2013 in den Räumlichkeiten der Wien Energie stattfand. CMG-AE und Wien Energie hatten zur Diskussion über „FTTH und die Rolle der öffentlichen Hand“ eingeladen. Nicht zuletzt aufgrund des hochkarätigen Referenten-Mixes mit Vertretern aus dem In- und Ausland war das Interesse der Teilnehmer groß und die Tagung bis auf den letzten Platz ausgebucht. Neben Erfahrungsberichten aus den Bundesländern und Berichten seitens Vertreter der öffentlichen Hand wurden den Anwesenden auch die Strategien und Breitbandpolitik Deutschlands, Bayerns, der Schweiz und der Europäischen Kommission vorgestellt.
 
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Einigkeit herrschte beim CMG-AE FIBERDAY 2013, dass Österreich den Breitbandausbau forcieren und alles daran gesetzt werden muss, den Rückstand - vor allem bei der Penetration mit Glasfaseranschlüssen bis zum Haus (Fiber to the Home - FTTH) - schleunigst aufzuholen. Infrastruktur für Hochleistungsbreitband ist von essentieller Bedeutung für die Entwicklung eines Landes. Sie bildet die Basis für Innovationen, Wachstum, die Steigerung der Lebensqualität und ist relevant für die stetige Weiterentwicklung, Stärkung des Standortes und der Volksökonomie. Daher bedarf es seitens der Österreichischen Politik eines klaren Bekenntnisses zum Breitbandausbau für ultraschnelles Internet in Österreich. In der Presseaussendung von Frau Bundesministerin Bures kurz vor dem Fiberday wurde angekündigt, dass 1 Milliarde EUR aus dem Versteigerungserlös der Frequenzen für den Ausbau von ultraschnellem Hochleistungsbreitband (=100 Mbit/s) investiert werden soll. Auch im neuen Regierungsprogramm muss dieser Punkt zwingend enthalten sein, will man im internationalen Vergleich nicht noch weiter ins Hintertreffen geraten. Ob diese Ziele allerdings ausschließlich durch den Glasfaserausbau oder auch durch die Schaffung eines Technologie-Mixes erreichbar sind, konnte in der Diskussion nicht geklärt werden. Die Arbeitsgruppe OAN von CMG-AE vertritt allerdings die Position, dass die einzig nachhaltige und zukunftsorientierte Lösung im Austausch des Kupfernetzes durch ein Glasfasernetz besteht. Der Ausbau dieser Netze sollte jetzt beginnen, da ja ein solches Infrastrukturvorhaben mehrere Jahre benötigt. Diese Position wurde in einem für die Öffentlichkeit gedachten Positionspapier festgeschrieben.
 
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Ähnliche Positionen vertraten das FTTH Council und der Österreichische Gemeindebund in ihren Referaten. Wichtig ist in dieser Hinsicht auch die Schaffung eines positiven Bildes und einer positiven Meinung zum Thema Breitbandausbau, insbesondere zur Glasfasertechnologie, in der Öffentlichkeit. Die EU versucht den Breitbandausbau mit einer ganzen Reihe von Initiativen voranzutreiben. Durch die Budgetkürzungen für 2014 bis 2020 ist die EU allerdings weniger in der Lage, durch Fördergelder den Glasfaserausbau zu unterstützen, vielmehr schafft sie investitionsfreundlichere regulatorische Rahmenbedingungen und treibt damit die technische Entwicklung voran.
 
Da einhellig die Meinung unwidersprochen bleibt, dass der Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen im ländlichen Raum nur mit finanzieller Unterstützung durch die öffentliche Hand möglich ist, kommt der Entscheidung der Bundesregierung über die Widmung der Erlöse aus der Frequenzversteigerung eine sehr große Bedeutung zu. Nun liegt es an allen Interessierten, die neue Bundesregierung zu überzeugen, bei dieser Entscheidung zu bleiben und zusätzliche Hilfestellungen im Regierungsprogramm festzulegen. Österreich muss Maßnahmen ergreifen, um den Ausbau von Infrastrukturen für Hochleistungsbreitband anzukurbeln. Solange keine Services bestehen, die mehr als die bestehenden Breitbandkapazitäten benötigen, fehlen Unternehmen Anreize zukünftig in die Weiterentwicklung zu investieren. In dieser Hinsicht ist die Politik gefragt, um mit einer besseren Innovationsstrategie die Rahmenbedingungen für den Ausbau positiv zu verändern. Speziell in ländlichen Gebieten stellt der Breitbandausbau für ultraschnelles Internet ein absolutes Muss dar. Nur so können auch kleinere Regionen abseits der Ballungsräume in Österreich als Standorte überleben und ein Abwandern in die großen Städte verhindert werden.

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Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich Österreich im Bereich des Ausbaus und der Versorgung der Bevölkerung mit Hochgeschwindigkeitsinternet zwar auf dem richtigen Weg befindet, es allerdings noch viel zu tun gibt. Nur wenn bereits heute an die Zukunft gedacht wird, kann die flächendeckende Versorgung mit Glasfaser in Österreich realisiert werden. Um zu verhindern, dass Österreich den Anschluss verliert, müssen jetzt die notwendigen Schritte in diese Richtung ergriffen werden.

Fotos und Text by Julia Raffetseder


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